Förderungen
Forschungsprämie: Fünf Fehler, die Geld kosten
Woran Anträge in der Praxis scheitern und wie sich das mit wenig Aufwand vermeiden lässt.
Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Bernhard Scherzer · 15. Juni 2026 · 5 Minuten Lesezeit
Die Forschungsprämie ist für viele Industriebetriebe die zugänglichste Förderung überhaupt. Sie ist keine Ermessensentscheidung, sondern ein Rechtsanspruch, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Genau deshalb entscheidet die Qualität der Dokumentation über den Ausgang.
Fehler 1: Entwicklung mit Forschung verwechseln
Nicht jede Konstruktionsleistung ist Forschung. Entscheidend ist, ob am Beginn eine technische Unsicherheit stand, deren Lösung nicht aus dem vorhandenen Wissen ableitbar war. Wer im Antrag nur beschreibt, was gebaut wurde, statt welche Frage offen war, macht es dem Gutachter schwer.
Fehler 2: Zeitaufzeichnungen erst am Jahresende
Stunden, die im Nachhinein geschätzt werden, halten einer Prüfung selten stand. Eine einfache laufende Aufzeichnung pro Mitarbeiter und Projekt genügt, sie muss nur zeitnah entstehen.
Fehler 3: Alles in ein Projekt packen
Ein Sammelprojekt über zwölf Monate mit fünf verschiedenen Themen ist schwer zu begutachten. Klar abgegrenzte Vorhaben mit eigener Fragestellung und eigenem Ergebnis sind einfacher zu beurteilen und leichter zu verteidigen.
Fehler 4: Das Ergebnis überzeichnen
Ein gescheitertes Projekt ist förderfähig. Es ist sogar ein starkes Indiz für echtes technisches Risiko. Wer stattdessen jeden Versuch als Erfolg darstellt, entwertet das Argument der Unsicherheit.
Fehler 5: Zu spät beginnen
Die Dokumentation entsteht am besten während des Projekts, nicht danach. Wer erst nach Abschluss des Wirtschaftsjahres beginnt, sammelt Erinnerungen statt Belege.
Autor
Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Bernhard Scherzer
Technik, Fördermanagement und Nachhaltigkeit
scherzer@con-solid.at